Kennzeichen christlicher und sozialer Politik
Pater Dr. Jörg Alt referiert beim Ökumenischen Neujahrsempfang in Worzeldorf


Einem aufmerksam zuhörenden Publikum stellte
Jesuitenpater Dr. Jörg Alt seine Lösungsansätze vor.


Vertrauensmann Dr. Joachim Roller begrüßt den Gastredner Dr. Jörg Alt.


Zum Neujahresempfang hatten die röm.-kath. Pfarrei Corpus Christi und die evang.-luth. Osterkirchengemeinde eingeladen. Ehrenamtliche der unterschiedlichen Gruppen, Vereine, Einrichtungen und der Politik aus dem Nürnberger Süden kamen am letzten Sonntag in die Osterkirche.

Vertrauensmann Dr. Roller begrüßte als Gastredner den Jesuitenpater Dr. Jörg Alt. Der Sozialwissenschaftler, Sozialethiker und Hochschulseelsorger (KHG) wurde bekannt durch seine sozialethischen Forschungsarbeiten und Publikationen. Für seine Dissertation zum Thema „Leben in der Schattenwelt“ - gemeint ist „illegale“ Migration lässt sich nicht verdrängen - erhielt er den Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien.

Mit der Frage „Was sind aus Ihrer Sicht die aktuellen und wichtigsten Themen für die lebende als auch die künftigen Generationen“ zog Dr. Alt die Zuhörer in seinen Bann und zeigte damit die Verantwortung eines jeden Einzelnen auf. 

Drei Problemkomplexe
stellte Jörg Alt in den Mittelpunkt: nationale und internationale Ungleichheit der Vermögensverteilung, Übernutzung der natürlichen Ressourcen (Klimawandel) und die digitale Revolution. Durch die Künstliche Intelligenz seien Umwälzungen beim Einsatz menschlicher Arbeit und bei den sozialen Sicherungssystemen zu erwarten. 

Profiteure der Globalisierung seien Kapitalströme, Großkonzerne und Lobbyisten, die mit kurzfristigem Quartalsdenken Regierungen unter Druck setzen. Populisten wollten uns einreden, man könne globale Vernetzungen im Nationalstaatskästchen einfangen. Doch grenzübergreifende organisierte Verbrechen und Migration seien damit nicht zu verhindern. 

Kurzatmige Flickschusterei bringe die Politik nicht weiter. Es fehle der große Wurf und der Mut, alte Denkschemata zu verlassen und langfristige Denkansätze zu wagen. Es sei keine Lösung, wenn Politiker seriöser Parteien versuchen, Populisten das Wasser abzugraben, diese zu kopieren oder außen zu überholen wollen, so Alt. 

Evangelium als Richtschnur
Dagegen zeichne sich christliche und soziale Politik dadurch aus, dass sie sich verantwortungsvoll den Realitäten stellt und am Evangelium orientierte Werte vermittelt. Dies dürfe nicht nur in Parteiprogrammen stehen, sondern müsse sich auch in der Tagespolitik widerspiegeln. Seriöse, christlich soziale Politik solle nicht nur Symbolpolitik sein, sondern müsse der Bevölkerung komplexe Themen verantwortungsvoll darlegen und dürfe nicht suggerieren, man habe alles im Griff.

Dr. Jörg Alt kommt auf die Eingangsfrage zurück: Was kann der Einzelne tun? Was können insbesondere Christen durch Denken im Kleinen und Großen und durch entsprechendes Handeln beitragen?

Jeder könne seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck anschauen und überlegen, wie die von jedem Deutschen durchschnittlich erzeugten 9,9 Tonnen CO2 pro Jahr reduziert werden könnten; Flugreisen, Autogrößen u.v.a.m. gehen hier ein.

"Jesus war kein Nationalist, sondern ein Humanist." Und wir sind heute in einer globalen Schicksalsgemeinschaft eingebunden. Dennoch sind wir nicht hilflos ausgeliefert. Wir brauchen nur den Mut und die Zuversicht, die Konzepte und Instrumente der christlichen Soziallehre einzusetzen und zu leben. Tue Gutes und rede darüber.

Populismus ist keine Lösung
Unser Gemeinwohl kann nur global gesichert werden. Es helfe kein „Deutschland zuerst“ oder „Amerika first“ und kein Brexit. 
Nur ein starkes und handlungsfähiges Europa bringe uns weiter. Populisten sagen „Fürchtet Euch!“ und ziehen Zugbrücken hoch. „Fürchtet Euch nicht“ steht am Anfang des Christentums. Das Christentum und die Aufklärung haben Europa zu einem Vorbild und Zeichen der Hoffnung in der Welt gemacht. Leisten wir heute unseren Beitrag – die Zeiten sind interessant und spannend zugleich.

Für seinen Vortrag erhielt Dr. Jörg Alt anhaltenden Beifall und Anerkennung. Pfarrerin Beate Kimmel-Uhlendorf und Pfarrer Stephan Neufanger bedankten sich beim Redner für die anregenden Gedankenansätze. Anschließend teilten viele Gäste sich mit Pater Alt und untereinander aus.

Musikalisch wurde der offizielle Teil von Kantor Joachim Roller am Klavier mit der Sonate in G-Dur von Johann Ladislaus Dussek und der Sonate D-Dur von Muzio Clementi umrahmt.


Weiterführende Informationen
Der Vortrag:
"Neujahrsempfang der Kirchengemeinde Herpersdorf"


CO2-Rechner des Umweltbundesamtes

Offener Brief an die CSU und die bayerischen Wähler

Website von Dr. Jörg Alt PJ

Steuergerechtigkeit und Entwicklungshilfe

 
Musikalisch umrahmt Dr. Joachim Roller am Klavier mit zwei Sonaten den offiziellen Teil.

     


Pfarrer Stephan Neufanger / Corpus Christi und Pfarrerin Beate Kimmel-Uhlendorf / Osterkirche bedankten sich bei Pater Dr. Jörg Alt / CPH (Mitte).

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